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Ein Urlaubstag im Leben eines Tierschützers
Eigentlich war Urlaub angesagt. Endlich einmal abschalten und erholen von den vielen Dingen, die passiert waren und Energie schöpfen für die Aufgaben und Herausforderungen des nächsten Jahres, aber auch Kraft tanken für die vielen Rückschlage und negativen Erlebnisse, die man in der Tierschutzarbeit verarbeiten muss.
Doch auch im Urlaub bringe ich es nicht fertig, die Augen zu verschließen und das Elend um mich herum einfach nicht zu sehen und so zu tun, als sei die Welt in Ordnung, wie es die Menschen so gerne tun. So zog es mich, nachdem ich bei den Spaziergängen mit meinen Hunden unzählige Hunde an viel zu kurzen Ketten, oftmals ohne Wasser vor sich hin vegetierend, sowie massenhaft Streuner und zahllose Katzen sah, in die Perrera von Tossa de Mar in Spanien/Costa Brava. Perrera heißen die spanischen Tötungsstationen, eine Art Tierheim, in dem die Hunde zunächst eine ‚Schonzeit‘ von 20 Tage haben. 20 Tage, in denen der Besitzer Zeit hat, nach seinem Tier zu suchen und es wieder abzuholen. Danach sind sie nach den spanischen Gesetzen zum Töten freigegeben.
Der Zufall wollte es, dass Monika, unsere 1. Vorsitzende, und ich zur gleichen Zeit nicht weit voneinander entfernt Urlaub machten. Da Monika auch schon in beiden Jahren zuvor dort Urlaub gemacht hatte, kannte sie bereits die Perrera von Tossa de Mar, aus der sie zuvor schon 11 Hunde gerettet hatte.
Uns erwarteten in der Perrera ca. 70 Hunde und auch Katzen in einer relativ sauberen, aber dennoch trostlosen Anlage. Die meisten Hunde kamen an die Gitter ihrer Zwinger, nur um ein paar Streicheleinheiten und nette Worte zu erhaschen. Einige hatten sich schon aufgegeben, saßen apathisch in einer Ecke und wieder andere verkrochen sich total verängstigt bei dem Anblick von Menschen, die ihnen zuvor wohl unendliches Leid zugefügt hatten. Es gab kleine und große Hunde, Welpen, Rassehunde und wunderschöne Mischlinge. Auch eine Mama mit ihren 6 Welpen saß in einem der Zwinger. Völlig unterernährt kümmerte sie sich liebevoll um ihre Welpen. Nur eines gab es nicht: alte Hunde.
Und so gingen wir den schweren Gang, mit dem bedrückenden Wissen, nur einen oder zwei mitnehmen zu können und mit Tränen in den Augen.
2 Tage später gingen wir wieder hin, um uns zu entscheiden, wer die Reise in eine glückliche Zukunft antreten durfte. Es gab erschreckend viele Neuzugänge und es fehlten auch welche. Wo sie waren, haben wir nicht gewagt zu fragen.
Eine in Spanien lebende Deutsche, die in der Perrera von Tossa de Mar ehrenamtlich hilft, versicherte uns, dass nicht alle Hunde mit Ablauf der 20-Tages-Frist getötet würden, sondern wirklich nur, wenn das Tierheim überfüllt sei. Doch alle Zwinger waren voll. Es war wohl nur der Versuch, uns nicht alle Hoffnung zu nehmen.
Und so gingen wir ihn wieder, diesen abartigen Gang, der entscheidet über Leben und Tod, wie Monika in den Jahren zuvor in Tossa und ich im Frühjahr 2005 in Rieti, jeder Schritt eine Qual für unsere tierliebende Seele und für jeden einzelnen Hund, für den wir uns, aus welchen Gründen auch immer, nicht entschieden haben, stahl sich eine Träne aus dem Augenwinkel und brannte wie Feuer auf der Haut. Von Zwinger zu Zwinger wurde der Kloß im Hals immer dicker...
Mit auf die Reise nach Deutschland und somit in das Leben nahmen wir schließlich das etwa 12 Wochen junge Mischlingsmädchen Marily und die ca. 8 Monate alte Mischlingshündin Zina – für die anderen Hunden blieb uns nur, ihnen eine gute Reise über den Regenbogen zu wünschen.
Vielleicht hat es auch der ein oder andere doch noch geschafft, ein neues Zuhause zu finden.
Denn anders als in vielen (staatlichen) Tierheimen Italiens hat das Tierheim in Tossa geregelte Öffnungszeiten und es ist auch ohne weiteres möglich, Hunde zu adoptieren. Die Anlage hat ca. 50 Zwinger und es gibt auch ein Katzengehege. Neu in diesem Jahr war auch ein größerer Auslauf mit Spielmöglichkeiten für die Hunde. Es gibt einen kleinen Behandlungsraum und die Zwinger werden täglich gereinigt. Das Tierheim hat sogar eine Internetpräsenz; Hunde werden dort jedoch nicht vorgestellt, auf den Grund hierfür muss ich nicht extra eingehen. Auch zwei deutsche Frauen arbeiten ehrenamtlich dort.
Und einmal mehr habe ich an diesem Tag gemerkt, dass es einfach eine Herzenssache ist, Hunden im Ausland zu helfen. Auf Diskussionen, warum man im Ausland hilft, gehe ich nicht mehr ein. Meine Antwort lautet einfach: "Ich kann nicht anders...".
Bitte vergesst auch im Urlaub das Elend der Tiere nicht! Versucht, nicht weg zu schauen!
Denn: "Ein Tropfen Hilfe ist besser als ein Ozean voll Sympathie" (Verfasser unbekannt)!